Gesucht ist ein Ausweg aus der leidvollen Ironie, das die Cannabis-Gesetze primär erlassen wurden, um den Konsumenten vor sich selbst zu schützen, diese Gesetze selbst aber die größte Gefahr für ihn darstellen. Also Freigabe? Die Idee der Legalisierung erfuhr auf politischer relevanter Seite schon immer äußerst wenig Unterstützung, während Entkriminaliserung in den frühen 70er durchaus en vogue war. In den USA beipielsweise, heute das Motherland des „War on Drugs“, entkriminalisierten 11 Staaten den Genuss und Besitz kleiner Mengen von Marihuana; die in den Jahren nachfolgenden Statistiken wiesen keinen Erhöhung des Konsums nach. Veränderte politische Großwetterlagen ließen keine weiteren Experimente zu.
Fest steht, dass die Prohibition gescheitert ist. Seit Jahrzehnten aber steht trotzdem hinter der Drogenpolitik der UNO und der globalen Regierungen der Glaube, dass immer mehr von demselben die Weltbevölkerung auf wundersame Weise zum drogenfreien Glück führt. Aber jede – auch zukünftige – Gesellschaft wird eine „Drogenproblem“ haben, egal welche Drogenpolitik gewählt wird. Die Aufgabe ist, die Probleme zu minimieren, und zwar die Probleme, die durch den Drogenmissbrauch und durch die Politik selbst verursacht werden.
Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Wissenschaft von den Drogen, die Drogenpolitik und deren staatliche Durchsetzung allzu sehr auf die relativ wenigen Süchtigen fokussiert. Diesen muss geholfen, die Anderen müssen in Ruhe gelassen werden.
Eine Drogenpolitik, die die fundamentale Erkenntnis leugnet, dass Drogenkonsum Spaß bringen kann, und das ein hoher Anteil von Menschen durch diesen Spaß auch keine psychischen oder physischen Probleme bekommt, darf sich nicht wundern, dass die Jugend die gut gemeinten Botschaften der Aufklärung nicht erhört.
Leider ist das durch Schule, BRAVO und Kumpels vermittelte Wissen über Drogen schlichtweg mangelhaft oder gar ungenügend (Setzen, 6!). Und weil sie zur Zeit keinen Alkohol- oder Kokainabhängigen Mitschüler kennen, glauben Schüler nicht daran, dass einer dieser forschen Typen in fünf Jahren seine Nase nicht mehr aus dem Puder kriegt.
Im Kern exisitieren fünf Modelle, wie der Umgang mit Hanf, dessen Produkten und
dessen Konsum reguliert werden kann. In
der Tabelle sind neben den Vor- und Nachteilen die Realisierungsaussichten des
jeweiligen Modells aufgeführt. Unter strikter Lizenz des Staates würde der Cannabis-Behörde die unheilvollen
Rolle eines „Dealers“ zukommen, der an der Abhängigkeit einiger Konsumenten
verdient. Diese Doppelmoral ist von Alkohol und Tabak bekannt. Die zweckgebundene
Verwendung der Einnahmen aus der Cannabissteuer wäre ein Trost, dessen heilsame
Wirkung sich wiederum schwer in Zahlen fassen lässt.
Wie auch immer sich die Politik zukünftig bewegen wird, sie wird weitere Steuerungsverluste
vermeiden wollen. Keiner weiß genau zu sagen, ob das Verlangen nach Cannabis
nach einer Neuregulierung des Besitzes ansteigen oder nachlassen wird. Die Wissenschaft
geht zwar eher davon aus, dass es zunächst leicht ansteigen, sich später aber
wieder auf dem gewohnten Niveau einpendeln wird, festlegen lassen will sich
da aber aus gutem Grund kein solider Wissenschaftler.
Zieht man dazu noch in Betracht, dass „Die Seuche Cannabis“ (SPIEGEL
Titel 27/2004) zur Zeit mal wieder auf einem Hoch der medialen Aufmerksamkeitswelle
liegt, die nach dem Prinzip „Horror-Droge in Anmarsch“ für mehr Verwirrung als
Aufklärung sorgt, dann sieht es für die Evolution der Drogenpolitik weiterhin
mies aus. Dabei wären alle der hier genannten fünf Regulierungsmodelle ein Fortschritt
gegenüber der herrschenden Stagnation.