Auf dem Planeten Erde wurden bis dato etwa 1700 Atombomben gezündet, einige
davon überirdisch, Atompilze, mit der tausendfachen Sprengkraft von Hiroshima.
Ist das lustig? Wohl kaum. Aber Politiker, die für dergleichen verantwortlich
sind (,und für noch viel mehr,) erdreisten sich, spezielle Inhaltsstoffe
zahlreicher frei und unvorhersagbar in der Natur spriessender Pilze zu verbieten
und deren KonsumentInnen damit in die Kriminalität zu drängen. Dabei
können diese "Lachenden Pilze", wie eine Art im Japanischen genannt wird,
bei ihren KonsumentInnen nicht nur Lachstürme über die Absurdität
des Seins und Glücksgefühle in tiefer Verbundenheit mit dem Körper,
sich selbst, der Schönheit und Energie des Natürlichen und Frohsinn
im Vorstoß zu den Urgründen der Gemütlichkeit, hervorrufen,
sondern auch tiefe persönliche Erfahrungen bis ins poppende spirituelle
Mark hinein (erschütternd) katalysieren. In dieser Hinsicht stehen sie
dem Lysergsäurediäthylamid nicht nach, auch wenn sie nur gerade mal
halb solange wirken, sehr ähnlich, aber doch irgendwie ganz anders.
Pilze, die die Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin enthalten, erfreuen sich eines außerordentlich guten Rufes. Ihr Konsum erlebt seit einigen Jahren einen enormen Boom. Vielleicht handelt es sich mittlerweile um die verbreitetste psychedelische Droge noch vor dem halbsynthetischen LSD. Pilze stehen für Natur. Viele KonsumentInnen entwickeln zu ihnen eine ganz persönliche Beziehung. Es ist schwer zuoft Pilze zu nehmen. Sie weisen selbst ein individuelles Limit. Man merkt, wann erst einmal wieder genug ist. Psychisch unvorbereitet eingenommene Pilze sind nicht unbedingt ein gelungener Partygag. Sind Cannabisspeisen schon bedenklich, weil schwer einzuschätzen und nicht für jederman gleichermaßen gut verträglich, kann eine ahnungslos verspachtelte Pilz(über)dosis zu einem Horrortrip mit panischen Ängsten werden und aus Verzweiflung im Krankenhaus enden, dem denkbar ungünstigsten Ort für den Ausklang einer danebengegangenen Seelenreise.
Körperlich sind Psiloc(yb)inpilze im allgemeinen gut verträglich.
Es kann bei einigen Leuten zu Magenbeschwerden und Übelkeit kommen. In
Einzelfällen wurde auch von Kreislaufproblemen berichtet. Man kann aber
davon ausgehen, daß von den richtig identifizierten gängigen Psilos
(, wie sie liebvoll genannt werden,) selbst in höheren Dosierungen keine
gesundheitlichen Risiken für den Körper ausgehen. Die verspeisten
Mengen wildgewachsener Pilze sind üblicherweise so gering, daß selbst
Umweltschadstoffe kaum zur Geltung kommen dürften. Der Rahmen für
die Einnahme der Psilos muß stimmen. In Mexiko werden sie rituell in Heilungszeremonien
unter Anleitung einer Schamanin oder eines Schamanen eingenommen. Das sollte
uns zu denken geben. Ungestörter Freiraum mit Selbstentfaltungsmöglichkeiten,
freundliche natürliche Umgebung bei gutem Wetter, vertraute erfahrene Freunde
usw. sind eine gute Basis für eine Pilzreise, auf der sich die Seele öffnen
soll. Dann klappt´s nicht nur mit dem Nachbarn, dann kommt vielleicht
auch der Spaß nicht zu kurz.
Allseits bekannt ist mittlerweile das alljährliche herbstliche Erscheinen
der kleinen Spitzkegeligen Kahlköpfe (botanisch Psilocybe semilanceata)
auf unseren Wiesen und Weiden. Selbst an städtischen Strassenrändern,
auf Heuballen, an Bundeswehrschießbahnen und dergleichen mehr wurden sie
gesichtet und gesammelt, versteht sich von selbst. Typischerweise aber sondiert
der meist städtische Pilzjäger vom Auto aus das Terrain, während
er im Schleichtempo durch wenig befahrene Seitenwege in der stadtnahen ländlichen
Provinz tuckert. Diese Wiese, etwas geschützt am Waldesrand mit kurzem,
teils verrottendem und büschelweise wachsendem Gras, leicht uneben, von
friedlichen Kühen oder gar Pferden beweidet, ja, die könnte in Frage
kommen. Einmal als spitzkegelhöffig entdeckte Biotope werden dann regelmäßig
wieder aufgesucht, bis die Grundstücksbesitzer an jeder Seite der Koppel
Verbotsschilder anbringen. So erging es zumindest einer beschaulichen verschachtelten
stadtnahen Weide, der Heimstatt eines neugierigen Pferdes. Sie wurde Anfang
der Achtziger Jahre, beim Besuch zweier an ihrem Rande gedeihender Hanfpflanzen
mit einem grüneheckeguerillagrowenden Freund durch Zufall entdeckt und
erlebte im nächsten Jahr, durch Mund zu Mund-Propaganda in der Vorstadt
populär geworden und zum Volkspilzsammelplatz aufgestiegen, ihren Count
down. Dabei hatten wir längst ein paar Feldwege weiter rund um einen Pfadfindergrillplatz
eine bei weitem ergiebigere Wiese entdeckt. Und in Zukunft radelten wir mit
eingezogenen Köpfen an dem gutbesuchten Ausflugsziel vorbei, auf daß
uns keiner erkenne und etwa heimlich die Verfolgung aufnehme. Denn es ist ein
Geschenk, eine besondere Ehre, wenn Dir jemand seine ganz spezielle Wiese zeigt.
Aber man weiß ja nur zu gut, daß sowas gern mit gierigen Füssen
getreten wird.
Wer einmal ausgiebig Spitzkegelige Kahlköpfe gemeinsam mit einem erfahrenen "Fachmann" gesammelt hat, wird keine allzu großen Schwierigkeiten mehr bei der Identifikation dieser charakteristischen Zipfelmützen haben. Alle Pilze, bei denen auch nur der leiseste Zweifel an ihrer Identität besteht, werden selbstverständlich verworfen. Die spitzkegeligen Kahlköpfe gelten als relativ gleichbleibend hochpotent. Kleine Pilze sollen etwas potenter sein als die größeren. Bei Analysen getrockneter Pilze wurden Psilocybingehalte um die 1% ermittelt. Da Psilocybin verhältnismäßig beständig ist, lassen sich die Pilze getrocknet, luft- und lichtabgeschlossen zu 1 Gramm-Päckchen verpackt und tiefgefroren ohne allzu großen Wirkungsverlust bis zur nächsten Sammelsaison aufbewahren. Auf nüchternen Magen genommen ist eine Dosis von 0,2 bis 0,4 Gramm der getrockneten Pilze bereits emotional spürbar. Ab einer Dosis von etwa 1 Gramm werden die Effekte bereits recht intensiv und "farbig". 2 bis 3 Gramm gelten als volle Dosis.
Darüberhinausgehend kann der Trip recht anstrengend werden. Die Kahlköpfe
enthalten noch andere dem Psilocybin nahestehende Substanzen, wie Baeocystin
und Norbaeocystin, die wahrscheinlich an ihrer spezifischen Wirkung beteiligt
sind. Psilocybe semilanceata ist der wahre "King of the Koppel". Aber paß
auf, er kann dich zum "Fool on the Hill" machen. Ein weiterer kleiner "Psilo"
unserer Grünflächen ist der Panaeolus subalteatus, zu deutsch
Dunkelrandiger Düngerling. Sein Wirkstoffgehalt ist vergleichsweise gering.
Die Vermutung, er würde "auch törnen", führt bisweilen dazu,
daß Laiensammler alle möglichen ähnlichen Düngerlinge oder
irgendwie glockenförmig wachsenden Kleinpilze einsammeln und womöglich
auch noch schlucken. Da empfiehlt das Männlein aus dem Walde: Finger weg,
es lohnt sich nicht, Übelkeit und dergleichen zu riskieren, wenn man von
Pilzen (noch) keine Ahnung hat. Andererseits steht der "Dunkelrandige" im Ruf
ruhiger und noch erotisierender als die durchgeknallten Kahlköppe zu wirken.
Dosierungen ab 2,7 Gramm getrocknet auf leeren Magen sollen für einen entsprechenden
Törn notwendig sein.
Mittlerweile werden auf manchen Goa-Openair-Parties
psiloc(yb)in-haltige Pilze offen angeboten. Außerhalb dieser
"Temporär Autonomen Zonen" ist man auf Grund der unklaren
Rechtslage noch nicht ganz so mutig wie in den Niederlanden. Der
Inhaber des Amsterdamer Smartdrugshops "Conscious Dreams" wagten es
im Sommer 1994 als erstes, offen über den Ladentisch,
gezüchtete Psiloc(yb)inpilze vom Typ Psilocybe cubensis zu verkaufen.
Die Polizei ließ nicht lange auf sich warten.
Die Sache ging vor Gericht. Dort wie hier sind die nahezu identisch
wirkenden Inhaltsstoffe der Pilze Psilocin und Psilocybin nach dem
Opium- bzw. Betäubungsmittelgesetz verboten, nicht aber
ausdrücklich die Pilze. Dem Gerichtsurteil zufolge, werde der
Wirkstoffgehalt der Pilze aber erst durch Trocknen so hoch
konzentriert (, nämlich etwa um den Faktor 10 gegenüber
frischen Pilzen), daß es sich um eine verbotene Ware handle.
Prompt wurden nur noch die frischen Pilze verkauft. Gerade Freitags
herrschte Hochbetrieb im Laden. Dezente braune Papiertüten
beherbergten eine gute Portion von 30 Gramm frischen Psilocybe
cubensis zu 25 Gulden, auf daß es ein beschwingtes Wochenende
würde. Die auf Touristen orientierten Headshops der
Amsterdamer Innenstadt zogen nach. Sie boten allen Unkenrufen zum
Trotz getrocknete Pilze an. Ein unglaublicher Boom setzte ein.
Mittlerweile hat fast jede holländische Kleinstadt Shops, bei
denen ethnobotanische Kräuter und energetisierende
Aminosäurepräparate im Vergleich zum Pilzumsatz eher eine
untergeordnete Rolle spielen. Viele Leute kamen auf die Idee sich
selbst zu versorgen. So nahmen zahlreiche Growshops
Pilzzuchtzubehör mit in ihr Programm auf. Es entstanden auch
ausschließlich auf Pilzzuchtzubehör spezialisierte
Läden. Ungeduldige können sich dann die frischen und
mittlerweile auch wieder die getrockneten Pilze gleich mitnehmen.
In der Schweiz hat es nun vor kurzem ein Gerichtsurteil gegeben,
demnach dort Psilos in keiner Form illegal seien. Ja, in der
Schweiz, in der Schweiz, tausche Psilos gegen Nazi-Gold. Traut man
sich dagegen in der BRD aus Angst vor der Konfrontation mit den
Justizbehörden (noch?) nicht die Pilze selbst zu verkaufen, so
handeln doch zahlreiche deutsche Growshops und Händler
ethnobotanischer Spezialitäten bereits mit dem entsprechenden
Zubehör und schon von Mycel durchwachsenen Anzuchtboxen, bei
denen nicht mehr ganz so viel schief gehen kann. Der Anbau von
Psilos ist nämlich nicht gerade einfach und muß unter
kontrollierten hygienischen Bedingungen erfolgen.

PSILOCYBIN
Die für die Zucht beliebteste, in subtropischen und
tropischen Gebieten der ganzen Welt auf Rinder- und
Büffelkacke gedeihende (und zum Beispiel Thailand-Reisenden
von den Inseln Koh Samui und Koh Phangan bekannte) Art ist die oben
erwähnte Psilocybe cubensis (früher auch Stropharia
cubensis genannt). Obwohl die hier gehandelten Pilze dieser Art so
gut wie nie aus der freien Wildbahn, geschweige denn aus Mexiko
stammen, sondern praktisch immer laborartig gezüchtet wurden,
werden sie häufig als "mexikanische" angepriesen und verkauft.
Sie hatten lange Zeit den Ruf besonders potent zu sein. Dies stimmt
jedoch so nicht. Ihr Wirkstoffgehalt kann starken Schwankungen
unterworfen sein, selbst von Pilz zu Pilz. Es gibt diverse
Zuchtlinien. Die meisten sind nicht allzu potent. Auch liegt ein
Teil der Wirkstoffe als leicht zerfallendes Psilocin vor. Das
bedeutet meist einen deutlichen Potenzverlust durch Trocknung und
Lagerung. Wer die erforderlichen hygienischen Voraussetzungen einer
Cubensis-Zucht meistert, kann große Mengen dieser zu
ziemlichen Größen heranspriessenden Pilze ernten. Sie
dominieren deshalb den Markt, zumal sie auch geschmacklich und
magentechnisch als recht verträglich gelten. Cubensis wird
üblicherweise höher dosiert als die Kahlköpfe. In
den Niederlanden gelten 3 Gramm getrocknete, entsprechend etwa 30
Gramm frischen Pilzen als eine gute Dosis. 5 bis 6,5 Gramm der
getrockneten "Superburschis" sollen für einen extremen Abflug
garantieren.
PSILOCIN
Gibt es eine einfach zu ziehende,
fast von selbst, womöglich noch auf Holzspänen im eigenen
Garten spriessende und reichlich fruchtende Art, die den
Laborgezüchteten auch in der Potenz nicht allzusehr nachsteht?
Naja, wer so fragt... Natürlich, die gibt es! Gestatten,
Psilocybe cyanescens (, früher auch Hypholoma
cyanescens genannt). Sie gedeiht gut auf allem möglichen
verwesenden pflanzlichen Material, zum Beispiel an Flußufern
und selbst auf früheren Müllhalden oder auf
Holzstückchen in Rhododendronparks. Möglicherweise wurde
sie irgendwann einmal aus den USA eingeschleppt. Sie kann praktisch
guerillaartig an unauffällige Standorte in der Natur verbracht
werden. Aber ein kleiner Dämpfer muß sein: Pilze sind
schwer berechenbar, ihr Wachstum von vielen Umweltfaktoren
abhängig, so daß es sein kann, daß vielleicht in
einem Jahr fast überhaupt keine, in einem anderen Jahr
Unmengen Pilze aus dem Boden schiessen. Vielleicht geht das Mycel
(,der faserige unterirdische Teil, der den eigentlichen "Pilz"
darstellt,) auf Grund irgendwelcher Bedingungen zu Grunde oder der
Wirkstoffgehalt der als Fruchtkörper sich aus dem Mycel
entwickelnden Pilze ist plötzlich nur verschwindend gering. Je
kontrollierter die Bedingungen ausfallen unter denen Mycel und
Pilze wachsen, desto abschätzbarer und vor allem steigerbarer
werden sowohl Potenz als auch möglicher Ertrag. Aber es kann
gerade im Freien vieles dazwischen kommen. Das weiß auch
jeder, der regelmässig einen bestimmten Pilzstandort in der
Natur aufsucht. Bei den "Psilocyanos" erweist sich auch, wie
abhängig der Wirkstoffgehalt von der gewählten Sorte ist.
Spezielle aus den USA stammende Zuchtsorten sollen zu den
stärksten Psilos überhaupt gehören. 1 Gramm dieser
getrockneten Powerpakete entspräche etwa 5 bis 6 Gramm
durchschnittlicher Psilocybe cubensis! Wildwachsende einheimische
Psilocyanos fallen, so sie denn überhaupt mal in der freien
Flur entdeckt werden, lange nicht so extrem aus. Wie problematisch
es sein kann, bestimmte wildwachsende Psilos von ihren unwirksamen
oder gar toxischen Verwandten zu unterscheiden, zeigt die recht
seltene, sich aber bei uns immer weiter in Richtung Westen
ausbreitende, potente Art Inocybe aeruginascens, von der vor
nicht allzu langer Zeit voller Begeisterung die Rede war, da ein
Trip mit ihr aufgrund eines zusätzlichen Wirkstoffes
("Aeruginascin") von einer besonders euphorischen Note geprägt
sein sollte. Sie ähnelt leider einer Reihe anderer giftiger
Inocyben, die selbst vom Fachmann nur schwer zu unterscheiden sind.
Wer also kein unnötiges Risko eingehen will, sollte sich
sowieso generell vor und nach dem Sammeln ausführlich in der
Fachliteratur informieren und sich von Kennern beraten lassen.
Besser isses.
az
zurück zur Startseite von Jörg Auf dem Hövel