HanfBlatt 2002
HanfBlatt
Es entspannt sehr, durch den Garten zu schlendern und hier
und dort einen Grashalm auszuzupfen, ihn zu zerreiben und
daran zu riechen. Wie aber bist du darauf gekommen, in den
Pflanzen ein Wesen zu entdecken? Wo wir vielleicht noch den
Geschmack ersinnen, entdeckst du in jeder Pflanze eine
besondere Wesenheit, die sich mitteilt. Das klingt für mich
sehr esoterisch.
Storl
Als ich als Junge nach Amerika kam, bin ich anstatt
Baseball zu spielen in die Wälder gegangen. In Ohio auf dem
Land gab es Schlangen, Schildkröten, Waschbären, Opossums,
und vor allem Pflanzen. Dort gibt es noch heute fast zehn
mal so viele Pflanzenarten wie hier in Deutschland. Alleine
150 verschiedene Laubbäume - das war enorm faszinierend.
Ich habe dann die Lehrer nach den Pflanzen gefragt und die
antworteten nur: "God dammed weeds, they are not
interesting". Ich fand sie aber sehr wohl interessant und
meine ganze Freizeit war ich im Wald und auf den Bäumen. Es
gab keine Bücher darüber, keinerlei intellektuelle
Information, und so saß ich da, habe die Pflanzen
beobachtet und einen Spürsinn für sie entwickelt.
HanfBlatt
Also ein sehr frühes Interesse. In den 50er Jahren in den
USA dürftest du dabei vom Hanf wenig mitbekommen haben. Es
herrschte die Verteufelung des Hanfs.
Storl
Man sah nie eine Hanfpflanze, ich hätte nie gewusst, wie
eine aussieht. Es war irgendein Rauschgift, dass die Leute
zum Wahnsinn treibt, zu Mord und zu ausschweifender,
perverser Sexualität.
HanfBlatt
Wenn man den Mord streicht, eigentlich alles Dinge die wir
uns wünschen.
Storl (lacht)
Nicht wenn ihr im Mittleren Westen der USA aufwachst. Dort
war Sexualität das Werk des Teufels. Eine vollkommen
schizophrene Entwicklung.
HanfBlatt
Die sich bis heute durch die amerikanischen Gesellschaft
zieht.
Storl
Klar, schau dir nur den Clinton mit seiner Tussi an. Hanf
habe ich aber erst bei einer Reise nach Kalifornien kennen
gelernt. Ich hatte enorme Angst vor dem Rauchen. Ich
studierte dann Botanik, hörte damit aber bald wieder auf,
weil ich nur im Labor stand und ich wollte ja raus in die
Natur.
HanfBlatt
Das muss am Anfang der Hippie-Bewegung gewesen sein.
Storl
Auf den Campus kamen um 1964 die ersten Leute die Indien
bereist hatten. Sie hatten lange Haare, sie hatten
natürliche Klamotten, fließende Gewänder, sie haben Sachen
gerne geteilt, sie hatten Zeit und saßen gerne im Grünen.
Es waren Blumenkinder. Davon war ich natürlich begeistert.
Der Begriff der "Hippies" kam erst auf, als Journalisten in
New York fragten: "Hey, was ist das für ein neuer Trend?".
Beatniks waren das nicht, Hipsters auch nicht, denn das
waren die Leute aus dem Ghetto, die wussten, wo es die
Drogen gibt. Aber gekifft haben sie, also nannte man sie
Hippies. Das war die Zeit in der die ersten Flugzeuge
regelmäßig nach Indien flogen. Dort entdeckten die
Abenteuerlustigen eine völlig neue Welt. Die Inder konnten
nicht wissen, wer diese Menschen waren, vielleicht ja Shiva
und Parvati? Also nahmen die Ärmsten sie in ihre Hütten
auf, haben sie bewirtet. Diese Leute haben auch die Sadhus
kennen gelernt, Cannabis geraucht und kamen völlig
ekstatisch zurück nach Amerika. Sie brachten ein Element
der Ekstase mit. Lange Zeit hatte sie jeder gerne, Probleme
mit der Polizei gab es kaum. Dies entwickelte sich erst,
als die Bewegung politisiert wurde und Klassenkampf-Parolen
Einzug hielten.
HanfBlatt
Was lehrte dich das Botanik-Studium?
Storl
Im Studium habe ich gleich gespürt, dass die Pflanzen wie
tote Gegenstände behandelt wurden, die Wirkstoffe
akkumulieren, Zellulose anhäufen und das war's. Das waren
reine Materialisten die dort lehrten. Sie sagten: "Die
Pflanze lässt ihre Wurzeln nicht wachsen um Nährstoffe zu
suchen. Dies würde ihr ein Motiv zusprechen, was nicht
vorhanden ist." Ihrer Ansicht nach ist alles in der Natur
einfach eine chemisch-mechanische Reaktion.
HanfBlatt
Seelenlose Biomassefabriken.
Storl
Genau. Ich wusste, dass stimmt nicht. Ich hatte über Jahre
im Wald gesessen und die Natur empfunden. Ein Teil dieser
Ansicht war sicherlich auch dadurch bestimmt, dass ich in
meiner frühen Jugend einige Bücher der Romantik gelesen
hatte. Aber das amerikanische Ethos unterscheidet zwischen
"Kultur" und "Natur". Kultur ist zivilisiert und
kontrolliert, die Natur ist wild. Dementsprechend wurden
die Indianer behandelt. Genauso sind Wildkräuter aus dieser
Sicht wertlos. Mir scheint es fast anders herum: Das was
Kultur ist, dieser kurzgemähte Rasen, die ganze Entseelung.
Der Wald ist für mich viel wertvoller und mit viel mehr
Seele ausgestattet. Ja, ja, so ist es.
HanfBlatt
Das kam mir bei den Vegetariern schon immer etwas
merkwürdig vor. Im Grunde genommen ist es auch ein Akt der
Grausamkeit, wenn man eine Pflanze schlachtet, tötet.
Storl
Dann muss man es wie die Jains machen, die kein Karma mehr
verursachen wollen. Sie setzen sich hin und nach 40 bis 60
Tagen entschweben sie ins Nirwana.
HanfBlatt
Schneller noch, wenn sie das Atmen eingestellt haben.
Storl
Es gibt keine Naturvölker, die Vegetarier sind, aber die
Tiere werden respektvoll von ihnen behandelt. Vegetarismus
ist eine späte zivilisatorische Entwicklung, die entstand,
als die indische Gesellschaft um 500 v.u.Z. eine Krise
durchmachte. Die ganzen Sekten wie der Buddhismus und
Jainismus sich den Brahmanen gegenüber brüsteten, dass sie
viel heiliger wären, weil sie keine Tiere essen würden.
HanfBlatt
Wie aber nimmt man Kontakt zu Pflanzen auf. Was können wir,
als "Vertreter der gelangweilten genusssüchtigen
Konsumkultur", wie du es einmal nanntest, lernen?
Storl
Eine bequeme Antwort wäre: man pfeift sich eine Menge Shit
rein, dies öffnet die "Pforten der Wahrnehmung", wie Aldous
Huxley das sagte und dann geschieht das. Ich denke nicht,
dass dies automatisch geschieht. Als ich Ethnologie und
Anthropologie studierte, unternahm ich eine Feldforschung
unter Gärtnern in Genf. Ich tarnte mich als Gärtner, um die
Gruppe dort zu studieren. Was mir dort auffiel: Wenn man
stundenlang in einem Garten hackt, jätet und arbeitet, dann
wirkt das wie das monotone schamanische Trommeln. Wenn man
es schafft, das schnell schnatternde Gehirn zur Seite zu
legen, dann kommt die Natur und spricht einfach. Dann
kommen Sachen rüber. Das ist nicht etwas, was man mal eben
am Wochenende macht, sondern das geschieht über eine lange
Zeit. Zum Beispiel stand ich bei einem Busch, der viele
Blattläuse hatte. Da dachte ich: "Eigentlich sollten hier
ein paar Marienkäfer sein". Ein Jahr später sah ich
tatsächlich viele Marienkäfer an dem Busch.
HanfBlatt
Das hatte sich rumgesprochen.
Storl (lacht)
Ja. Wenn man solche Beobachtungen lange und öfter macht,
dann merkt man, dass die Natur zuhört und reagiert. Natur
ist nicht tot, sondern sie besitzt einen seelisch-geistigen
Aspekt, der für uns meistens unsichtbar ist.
HanfBlatt Von diesem Prozess sind wir aufgrund der Kulturation stark entfremdet.
Storl
Vor kurzem war der älteste Medizinmann der Cheyenne, George
Elkshoulder, ein guter Freund von mir, bei einer
Schamanen-Tagung in Garmisch. Dort waren viele Schamanen
aus der ganzen Welt und George war in der Hoffnung dahin
gekommen, das diese Schamanen zusammen daran arbeiten, das
der ganze destruktive Prozess auf dem Globus umgekehrt
wird. Sein Eindruck war allerdings das dort nur, wie er es
ausdrückte, "Ceremonial people" waren, "Showmen". Und er
fragte mich, weshalb ich ihn überhaupt eingeladen hätte.
Ich sagte: "Weil wir alles verloren haben. Wir haben keine
sakralen Lieder, keine sakralen Tänze, und wir wissen nicht
wie man mit der Natur umgeht." George sagte: "Ihr habt
überhaupt nichts verloren. Ihr habt doch die Berge, die
Tiere, Bäume und Pflanzen. Fragt sie. Fragt sie doch. Die
sagen euch, was ihr wissen wollt." Dass der springende
Punkt ist, dass wir nicht mal mehr wissen, wie wir fragen
sollen, das hat er nicht begriffen."
HanfBlatt
Müssen wir uns nur trauen zu fragen?
Storl
Dazu muss man wohl erst einmal die beengenden Annahmen der
Psychoanalyse abstreifen. Selbst Jung deutet alle unsere
Ideen als Projektion in eine leere Welt hinein - solch ein
Kontakt zur Natur besteht danach nur in unserer Fantasie.
Das ist eine Annahme, die nie irgendjemand bei den
Naturvölkern haben würde. Das ist ein klares Produkt
unserer kranken Zivilisation.
HanfBlatt
Projektionen sind ein wichtiges Stichwort.
Storl
Projektionen finden ja auch statt. Und viele Phänomene der
New Age-Szene sind voller Projektionen. Diese Menschen
hören ja überhaupt nicht zu, sie projizieren alle ihre
Wünschen und Vorstellungen hinein. Wie viele Cleopatras
sind inzwischen reinkarniert worden!
HanfBlatt
Und die Männer werden Napoleon.
Storl
Gleichwohl ist eine Kommunikation mit der Außenwelt, der
Natur, möglich.
HanfBlatt
Aber wie kommuniziert die Natur?
Storl
In den Schulen wird uns eingedrillt nur nach der objektiven
Außenwelt zu schauen. Alles muss wägbar, messbar,
analysierbar sein. Das ist ein Kult. Aber es gibt auch eine
andere Art der Wahrnehmung. Die kann man als innerliche
Resonanz mit der Umwelt bezeichnen. Dies erlangt man, indem
man sich seines Inneren bewusst wird. Dann sieht man die
Welt mit dem Spiegel der Seele, nicht nur mit den äußeren
Augen. Die Seele des Menschen kommuniziert dann mit der
Seele der Natur.
HanfBlatt
Dagegen arbeitet eine wissenschaftliche Tradition, die
alles einteilen will. Alle Pflanzen sind eigentlich
individuell, jeden Moment anders, es herrscht buntes Chaos.
Wir nennen es Löwenzahn, aber es könnte auch viele andere
Namen haben.
Storl
Das ist ein Teil der äußeren Wahrnehmung und gegen diese
Kategorisierung ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Ein
Löwenzahn kann mit den nach außen gerichteten Sinnen
wahrgenommen werden, aber eben auch mit den inneren. Wir
haben einen Seelenspiegel, der das innere Wesen des
Löwenzahn wahrnehmen kann. Man kommuniziert nicht mit dem
äußeren Wesen, sondern mit dem inneren. In den westlichen
Industrieländern herrscht seelische Hungersnot. Und wir
werden abgespeist mit einer Massenmedien-Industrie, die
letztlich nur seelisches Junkfood bietet. Darum sind die
sogenannten Drogen auch so bedrohlich. Es ist der Versuch
etwas zu finden - wieder Zugang zu den seelischen Aspekten
der Welt zu erhalten.
HanfBlatt
Kann das klappen?
Storl
Manche Pilze beispielsweise klinken den Menschen in die
makrokosmische Intelligenz der Erde ein. Ganja kann den
Menschen Zugang zur göttlichen Seele offenbaren - dazu muss
man aber die innere Bereitschaft haben.
HanfBlatt
Zeit scheint mir eine große Rolle zu spielen. Und die
nehmen wir uns wenig. Ein Wochenendseminar unter dem Titel
"Jetzt höre ich meiner Pflanze zu" kann es ja wohl nicht
sein.
Storl
"Mit der Pflanze sein" oder "Mit dem Tier sein"; dazu
bedarf es schon Geduld. Ich bin davon überzeugt, dass
unsere Konsumgesellschaft von dem Frust des verlorenen
Kontaktes zur Natur lebt. Wenn man nicht befriedigt ist,
dann greift man zur Ersatzbefriedigung. Neue Klamotten, ein
neues Auto. Das sich Finden in einem sprechenden und
göttlichen Universum bringt Seelenheil. So geht man
beispielsweise eine Straße entlang und sieht zwischen zwei
Gehwegplatten einen Storchenschnabel hervorwachsen. Man
riecht daran, stellt sich vor wie eine Ameise den Samen in
die Ritze transportiert hat, und erinnert sich an alte
Geschichten. Daran, dass der Geruch Depressionen lindert
oder man erinnert sich an Adebar, den Storch. Schon geht
man durch eine ganz interessante und beseelte Landschaft
und rennt an den vielen Schaufenstern glatt vorbei.
Pflanzen können dabei helfen uns mit der Heiligkeit des
Seins zu verbinden. Aber wenn Mafiastrukturen einen
Pflanzenmarkt beherrschen und Leute mit Knarren rumrennen,
zudem der Staat Katz und Maus spielt, dann können sich die
Leute hier die Rübe vollrauchen und sind trotzdem blöd und
entfremdet. Ich habe Leute kennen gelernt, die rauchen
Unmengen Cannabis, natürlich mit Tabak, obwohl der eine
entgegengesetzte Wirkung hat und sind trotzdem so schlecht
drauf wie vorher. Vielleicht hören sie die Musik, die sie
gerne haben, ein wenig besser.
HanfBlatt
Hardcore! Die denken viel hilft viel.
Storl
Weiter geführte Konsummentalität. Ich höre Leute rauchen
Skunk: Es ist eine Qual für eine heilige Pflanze unter
Kunstlicht, in Nährlösungen und geschlossenen Räumen
aufzuwachsen. Die Leute die das rauchen sind dann genau so
wie die Pflanzen, denn die Pflanzen vermitteln das was sie
sind.
HanfBlatt
In der Natur reicht es einem ja meist auch aus etwas
sensibilisiert zu sein.
Storl
Ich habe vor vielen Jahren einen letzten LSD-Trip in der
Natur genommen und ich fand das irritierend.
HanfBlatt
Zu "artificial"?
Storl
Ja, wie eine Plastikwelt. Aber selbst die
psilocybinhaltigen Pilze bergen Gefahren. Ich habe Leute
kennen gelernt, die ständig Pilze genommen haben. Die waren
in einer Art Pilzwelt gefangen. Auch Terence McKenna, ein
großer Pilzexperte, hat sich mit seiner "Time Wave Zero"
verrannt. Beschleunigte Geschichte, ein Attraktor und ein
Kumulationspunkt, der zufällig genau auf seinen Geburtstag
fiel: das ist typisch Pilzfreak.
HanfBlatt
Respektvoller Umgang ist auch bei Pilzen wichtig. Damit man
sie nicht das ganze Jahr nimmt, wachsen sie ja auch im
Herbst.
Storl
Bei den Naturvölkern ist es Tradition, dass die sakralen
Pflanzen nur zu bestimmten Jahreszeiten genommen werden.
Erdbeeren isst man auch nur im Juni und Juli. Der
Fliegenpilz wird in den nordpolaren Kulturen zur
Wintersonnenwendzeit genommen, weil er das Licht der Erde
sichtbar macht. Auch Wein war einmal eine hochekstatische
wilde Pflanze, dem Dyonisos geweiht. Und was haben wir
heute? So völlig verschrumpelte Leute, die was von
"wunderbares Bouquet" und "Chateau Sowieso" faseln. Eine
totale Überästhetisierung.
HanfBlatt
Wen trifft man in den Weinkellern Würzburgs? Die
spießigsten und konservativsten aller alten Knacker bei
einer Mumienversammlung. Im pseudogepflegten Stil wird sich
da die Kante gegeben.
Storl (lacht)
Das sind dann die wilden Mänaden. Oder nehmt das Beispiel
Tabak in den indianischen Kulturen: Das wurde in genau
bemessenen Dosierungen genommen und dann wurde -zack- die
Seele aus dem Alltag rausgehauen um in die Welt der Geister
zu gehen. Und bei uns? Dieses gelangweilte Rauchen bis
einem die Zunge dick wird ist wieder Ausdruck der ewigen
Konsumlust. Ich sehe diese Entwicklung auch beim Ganja.
Mein Gott, was die jungen Leute da reinstopfen! Die stopfen
viel rein, es kommt aber nicht viel raus.
HanfBlatt
Eine deiner Leistungen ist die Öffnung der Tür zu den
Mythen, Geschichten und Betrachtungsweisen traditioneller
Kulturen. Da hast du nicht nur eine Geschichte zu erzählen;
manchmal erscheint es, als gäbe es Tausende. Die Menschen
haben sich früher offenbar sehr intensiv mit den sie
umgebenden Pflanzen auseinandergesetzt.
Storl
Die Kelten und auch die nordamerikanischen Indianer haben
diese Geschichten von den Pflanzen bekommen. Das Wissen
darüber habe ich den Cheyenne zu verdanken. Über 1 ½ Jahre
bin ich mit einem alten Medizinmann oft durch die Wälder
Montanas gewandert. Der sagte zu mir: "Bilde dir nicht ein,
dass du die Rituale oder den Zugang zu den Pflanzen
erfindest. Die Pflanzen suchen dich! Die Heilpflanze weiß,
wenn du kommst. Sie geben dir die Rituale." Praktisch sieht
das so aus, dass die Pflanze einem das Ritual gibt, wie man
zukünftig den Kontakt aufnimmt. Das können Worte sein oder
etwas Feuer. Die Pflanze gibt einem sozusagen ihre
Telefonnummer und das Wählen ist das Ritual. Wenn man nicht
richtig zugehört hat, dann kommt kein Kontakt zustande und
man kann nur fantasieren. Genau dies sagen uns doch die
Naturvölker auf der ganzen Welt: Wir sind nicht die
einzigen Aktiven, die Pflanzen nehmen Kontakt auf.
Vielleicht sind wir gar nicht so aktiv wie wir meinen.
HanfBlatt
Im Grunde genommen verdanken wir den Pflanzen und der Sonne
das Leben.
Storl
Aus der Dialektik von Sonne und Erde besteht unser Planet.
Die Sonne gibt die Energie und die verschiedenen Pflanzen
nehmen verschiedene Aspekte dieser Energie auf und
transformiert sie je nach Standort auf der Erde auf ihre
Weise. Beim Essen vermittelt jede Pflanze diese Kräfte.
HanfBlatt
Und wir rasen mit Autos durch die Pflanzen, degenerieren
sie zu Schnittblumen und stellen Plastikblumen her.
Storl
In Los Angeles ist es mittlerweile Aufgabe der
Stadtgärtner, die großen Plastikpalmen an den Boulevards
einmal im Monat abzuwaschen.
HanfBlatt
Bestehst du auf die pure Nutzung von Pflanzen und
Heilpflanzen oder wie stehst du Extraktion und
Synthetisierung gegenüber? Wo würdest du da die Grenze
ziehen wollen?
Storl
Ich würde da keine Grenze ziehen. Wenn die Möglichkeit
gegeben ist barfuss zu laufen, dann laufe ich lieber
barfuss. So einfach und natürlich wie möglich. Klar,
Destillieren, Potenzieren, dass macht ja auch Spaß. Aber
wenn es um Heilung geht, um das heil werden, dann würde ich
so nah wie möglich am Heil sein der Natur arbeiten. Bei den
Kelten reichte eine Schale, Wasser, Feuer, die Pflanze und
ein Segensspruch: "Hier das hilft." Das ist genügend. Die
Einfachheit betrügt einen sehr selten im Leben.
HanfBlatt
Alchemie und Chemie dürsten nach der Vervollkommnung.
Storl
Dahinter steht die Vorstellung, dass die Natur unvollkommen
ist - wir, die Menschen, müssten sie vorwärts bringen und
das sei eine ehrenwerte Aufgabe. Davon halte ich nicht
viel. Die Natur ist göttlich und vollkommen in Ordnung. In
der Einfachheit und dem Leben mit der Natur sind wir am
besten dran. Das ist alte daoistische Weisheit und das ist
auch die Weisheit, welche die Naturvölker leben.
adh und az
Wolf-Dieter Storl hat eine Reihe von Büchern veröffentlicht. Die einheimischen Kräuter behandeln tut "Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor", die Praxis der Naturrituale erklären tut "Naturrituale. Mit schamanistischen Ritualen zu den eigenen Wurzeln finden". Beide Bücher und andere Werke sind neu oder gebraucht zu bestellen bei Amazon:
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